Title of the doctoral dissertation:

Zum Spektakel und Abscheu. Schand- und Ehrenstrafen als Mittel öffentlicher Disziplinierung in München um 1600.

Published in 2008 by Peter Lang Verlag (Frankfurt a. M.).

 

Väitöstiivistelmä (a longish summary in Finnish).

 

Väitösarvostelut / Rezensionen der Dissertation (reviews):

 

Information auf Deutsch:

Ich promovierte am 30. Mai 2008 an der finnischen Universität Joensuu in der Fakultät für Geschichte. Meine Doktorarbeit trägt den Titel: Zum Spektakel und Abscheu. Schand- und Ehrenstrafen als Mittel öffentlicher Disziplinierung in München um 1600.

 

Die Studie stellt die Mechanismen zwischen Ehre und Schande im Spannungsfeld der frühneuzeitlichen Strafmaßnahmen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Ehre in ihrer sozialen Gewichtung und öffentliche Strafe in ihrer Auswirkung auf die Rechtstellung der Betroffenen werden thematisiert. Behandelt werden die Fragen: Was war Ehre, was war Schande? Was bedeutete es, wenn die Ehre der Menschen verletzt, ja zerstört wurde? Was bedeuteten die Schand- und Ehrenstrafen in dieser Zeit zwischen Spätmittelalter und Aufklärung und was stellten sie dar? Welche Unterschiede gab es zwischen den beiden Strafarten?

 

Am Beispiel der städtischen Gesellschaft Münchens wird eine Darstellung gewagt, die im Spannungsfeld zwischen Kriminalitätsforschung und Alltagsgeschichte einprägsame Beispiele vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Ehrvorstellungen und Lehrdogmatik vorstellt. Die Dissertation wurde bei Peter Lang Verlag in der Reihe "Strafrecht und Rechtsphilosophie in Geschichte und Gegenwart" (Herausgeber Professor Dr. Wolfgang Schild) veröffentlicht. Als Erstgutachter und Opponent bei der mündlichen Disputation fungierte Professor Dr. Hans Schlosser (Univeristät Augsburg).

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

 

I. EINLEITUNG

1. Zweck und Quellen der Erforschung

1.1 Fragestellung

1.2 Literatur und Quellen

Literatur. Zeitgenössische Werke und Archivalien. Nichtschriftliche Quellen.

2. München – zwischen Landesherrn und Rat

Die Stadt und ihre Einwohner. Der Rat und das Rathaus. München als Musterstadt.

 

II. GRUNDLAGEN DES EHRVERLUSTS UND DER EHRMINDERUNG

1. Der frühmoderne Ehrcode in der historischen und modernen Forschung

1.1 Das chamäleonartige Phänomen der Ehre: Die Vielfältigkeit

Ehre: Sozialer Code und symbolisches Kapital. Ehre, Erziehung und Zivilisationsprozess. Sexuelle Ehre. Ehre im Spiegel der Beleidigungen.

1.2 Soziale und juristische Ehre: Die Dichotomie

Guter Ruf, bona fama. Rechtliche Stellung, dignitas civilis.

2. Dimensionen der obrigkeitlichen Disziplinierung

2.1 Gesetzgebung und Ideologie

Reich, Territorium, Stadt. Konfessionalisierung und Disziplinierung.

2.2 Gesellschaft

Städtische Diener und Beamte. Stadtgemeinschaft und Rechtspflege.

3. Die Entwicklung der ehrmindernden Sanktionen

3.1 Die Vorgeschichte der Schand- und Ehrenstrafen

Römische und kanonische Infamie. Kirchliche und weltliche Sanktionen.

3.2 Frühneuzeitliche Unehrlichkeiten

Unehrlichkeit und Rechtlosigkeit. Die Unehrlichkeit des Henkers und der Gerichtsdiener.

3.3 Schand- und Ehrenstrafen in der Frühen Neuzeit

Unterschiede und Gleichartigkeiten der Schand- und Ehrenstrafen. Soziale und symbolische Dimensionen der Schand- und Ehrenstrafen. Das Geschlecht und der gesellschaftliche Status.

 

III. STRAFPRAKTIKEN

1. Gefängnis – ehrmindernd oder nicht?

1.1 Haft und Verhör

Untersuchungshaft und Freiheitsstrafe. Gütliche und peinliche Frage.

1.2 Die Gefängnisräume

Turmhaft. Die Münchner Schergenstube.

2. Münchner Schandstrafen

2.1 Leichtere Sanktionen

Öffentliche Abbitte und Kundmachung. Selbstverpflichtung, Alkoholverbot und Proskription.

2.2 Kurzfristige öffentliche Erniedrigungen

Zurschaustellen vor der Kirche oder auf dem Hauptplatz. Narrenhaus. Schrägen und Lasterstein. Bäckerschnelle und Knocker.

2.3 Langfristige öffentliche Erniedrigungen

Kettenstrafe. Strafarbeit.

3. Münchner Ehrenstrafen

3.1 Öffentliche Erniedrigungen vor der Verweisung

Ratsstiege. Die infamierende Prangerstrafe. Die vielen Varianten des Prangers.

3.2 Körperschädigungen vor der Verweisung

Rutenzüchtigung. Verstümmelung und Brandmarkung.

3.3 Die Verweisung

„Ausschaffen“, „Ausführen“ oder „Auspauken“. Zwang zum Kriegsdienst. „Wiedereröffnung“ von Stadt, Burgfrieden oder Land.

 

IV. KRIMINALFÄLLE

1. Alkohol und Gewalt

1.1 Problemtrinken, Schmähungen und Gewalttätigkeit

1.2 Symbolische Gewalt

Beleidigende Handlungen. Injurien und Gotteslästerung. Schmähschriften und -bilder.

1.3 „Vollsaufen“, „Übelhausen“ und „Rumoren“

Öffentliche Trunkenheit und ihre Folgen. Alkohol und Familienstreit. Streitsüchtige Alkoholikerinnen. Bedrohliches Benehmen und Misshandlungen.

2. Unehrlicher Lebensunterhalt

2.1 Diskriminierung durch Disziplinierung

2.2 Unehrlichkeit aus Mittellosigkeit?

”Lose Leute” im Land. Dieberei zum Lebensunterhalt.

2.3 Die Berufsehre

Betrug. Handwerksvergehen.

3. Sexualdelikte

3.1 Die Sittlichkeitskontrolle

3.2 Die zerbrechliche weibliche Ehre

„Leichtfertige“ und „unzüchtige“ Frauen. „Gemeine Vettel“. Priesterkonkubine.

3.3 Der kriminalisierte Geschlechtsverkehr

Ehebruch. Kuppelei.

 

V. BESTRAFUNG UND DISZIPLINIERUNG: EIN SYSTEMATISIERUNGSVERSUCH

Epilog: Norm und Praxis in der Rechtspflege

 

Anhang:

1. Quellen und Abkürzungen

2. Literaturverzeichnis

3. Abbildungen